Der Kalender „Lebensräume 2045 – Eine Reise in die Schweiz von morgen“ zeigt, wie Städte, Plätze und Verkehrsflächen in der Schweiz im Jahr 2045 gestaltet werden könnten – als lebendige, grüne und menschenfreundliche Orte. Er wurde vom Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) gemeinsam mit dem Transformationshub Reinventing Society erarbeitet und von loomn Architekturkommunikation visuell umgesetzt.
Im Zentrum des Projekts stehen 13 realutopische Zukunftsbilder – Visualisierungen von Schweizer Städten und Ortschaften zwischen Bern, Basel, Lausanne, Chur und Appenzell. Diese Visualisierungen zeigen keine futuristischen Fantasien, sondern machbare, positiv besetzte Zukunftsszenarien, die auf realen Orten aufbauen und konkrete Veränderungspotenziale sichtbar machen.
Was macht „Lebensräume 2045“ besonders?
Der Kalender nähert sich dem Thema Zukunft nicht durch abstrakte Konzepte, sondern durch konkrete Orte aus dem Alltag. Für jedes Bild wurde ein Standort ausgewählt, an dem heute bereits aktueller Gestaltungsbedarf besteht. Ausgangspunkt war jeweils die Frage:
Wie möchten wir im Jahr 2045 leben und unseren öffentlichen Raum nutzen?
Die Antworten visualisieren positive Veränderungen in Bereichen wie:
öffentlicher Raum und Begegnung,
Verkehrsberuhigung und sicherer Fuss- und Veloverkehr,
grüne Infrastruktur und Klimaanpassung,
nachhaltige Mobilität und städtische Lebensqualität.
Die Zukunftsbilder zeigen z. B., wie Plätze ohne Autoverkehr zu Aufenthaltsräumen werden, Uferzonen wieder nutzbar gemacht werden, begrünte Fassaden Klimaeffekte verbessern oder Solar- und Windenergie in städtische Strukturen integriert werden.
Autobahn Chur
Chur 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Landsgemeinde Appenzell
Appenzell 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Place de la Gare Lausanne
Lausanne 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Postplatz Chur
Chur 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Bahnhosplatz St. Gallen
St. Gallen 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Joel Pfeiffer)
Aargauerplatz Aarau
Aarau 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS, CC BY NC-SA 4.0, Vorherbild: Plan Biodivers
Bahnhofsplatz Bern
Bern 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Aeschenplatz Basel
Basel 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Pilatusplatz Luzern
Luzern 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Castello di Bellinzona
Bellinzona 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Pont Mont Blanc Genève
Genf/Genève 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Wiggispark Netstal
Glarus 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Winkelplatz Altdorf
Uri 2045 – Reinventing Society & loomn architekturkommunikation & VCS (CC BY NC-SA 4.0, Foto: Plan Biodivers)
Realutopien: Zwischen Utopie und Machbarkeit
Der Begriff realutopisch beschreibt Bilder, die zwischen Traum und Realität angesiedelt sind: Sie zeigen keine perfekten Endlösungen, sondern potentielle Wege in eine wünschenswerte Zukunft. Dieser Ansatz geht bewusst über klassische Zukunftsszenarien hinaus, weil er nicht nur Probleme benennt, sondern Lust auf Neues weckt und gesellschaftlichen Austausch anregt.
Die Macherinnen und Macher des Projekts betonen, dass es bei den Bildern nicht um ein fertiges Planungskonzept geht, sondern um Anstösse für Gespräche und bewusstes Weiterdenken: Was wäre möglich, wenn wir bestimmte Veränderungen anpacken?
Diese Frage macht den Kalender zu einem Werkzeug für Diskussionen in Gemeinden, Planungsprozessen und zivilgesellschaftlichen Debatten.
Kalender als Impulsgeber für Alltag und Gesellschaft
Lebensräume 2045 ist mehr als ein ästhetischer Bildkalender: Jedes Monatsbild zeigt ein konkretes Zukunftsbild und kann als katalysierender Impuls dienen – für Individuen ebenso wie für Gemeinschaften. Die Visualisierungen sind bewusst so gestaltet, dass Betrachterinnen und Betrachter die dargestellten Orte mit ihrer eigenen Erfahrung vergleichen können. Dieser „Kognitive Mere-Exposure-Effekt“ macht zukünftige Veränderungen vertrauter und akzeptabler.
Indem Menschen positive Zukunftsbilder sehen und sich mit ihnen identifizieren können, wächst die Bereitschaft, gemeinsame Lösungen anzupacken, statt sich von pessimistischen Szenarien lähmen zu lassen. So wird der Kalender zu einem Beitrag für einen positiveren gesellschaftlichen Diskurs über Verkehr, Raumgestaltung und Klimaanpassung.
Fazit: Ein Kalender mit Wirkung
Der Lebensräume 2045-Kalender ist ein Beispiel dafür, wie visuelle Zukunftsbilder Kreativität, Diskussion und gesellschaftliche Teilhabe befördern können. Er bringt Menschen dazu, über gewohnte Denkmuster hinauszublicken und zu erkennen, dass Veränderung möglich, oft sogar nahe und oft schon begonnen ist.
Durch dieses Projekt entstehen keine fertigen Antworten – aber den Anstoss, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.


